Politische Mehrheit lehnt energiepolitisch sinnvollen Antrag ab
Es hätte ein Schritt in Richtung moderner, sparsamer und klimafreundlicher Stadtverwaltung werden können: Ein Antrag der Grünen im Ausschuss für Liegenschaften und Hochbau sah vor, die Energie- und Wasserverbräuche im Rathauskomplex sowie im Schulzentrum Pulheim-Mitte endlich differenziert und monatlich zu erfassen, also auf dem Stand der Technik, wie er in vielen deutschen Städten längst Standard ist.
Doch dieser Antrag wurde am 25. November 2024 von CDU, FDP, SPD und WfP abgelehnt. Damit hat die Mehrheit im Rat eine Chance vertan und den Klimaschutz einmal mehr zur bloßen Sonntagsrede degradiert.
Schätzen statt wissen
Die Fakten sind ernüchternd: Sowohl im Rathausbereich als auch im Schulzentrum gibt es bislang nur jeweils einen Gesamtzähler für Strom, Gas und Wasser. Was genau das Gymnasium, die Realschule oder das Kulturzentrum verbrauchen, bleibt im Dunkeln. Statt belastbarer Daten wird geschätzt. Das ist ein Vorgehen, das weder effizientes Gebäudemanagement noch die Umsetzung konkreter Einsparmaßnahmen ermöglicht. Dass ausgerechnet die Verwaltungsspitze an dieser Praxis festhält, wirkt wie aus der Zeit gefallen.
Wer nicht misst, kann nicht sparen
Dabei geht es nicht nur um Klimaschutz, sondern auch um Haushaltsdisziplin. Wer nicht weiß, wo wie viel verbraucht wird, kann auch keine gezielten Maßnahmen zur Reduktion ergreifen. Jeder Euro, der heute durch ineffiziente Heizungen, Beleuchtung oder Wasserverbrauch verloren geht, fehlt morgen an anderer Stelle, etwa für Bildung, Kultur oder soziale Angebote. Dass sich die Ratsmehrheit diesem simplen wie kostensparenden Vorschlag verweigert, ist ein Armutszeugnis, nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch.
Externe Fachleute hätten schnell helfen können
Der Vorschlag sah vor, einen externen Dienstleister mit der strukturellen Bereinigung der Zählersituation zu beauftragen. Das wäre nicht nur fachlich sinnvoll gewesen, sondern auch entlastend für die Verwaltung, der es lange Zeit nicht gelungen war, geeignetes Energiemanagement-Personal zu gewinnen. Fachfirmen bringen die nötige Erfahrung mit, um moderne, digitale Zählsysteme einzubauen und auszuwerten. So könnten Verbräuche präzise erfasst und ausgewertet werden. Auf dieser Basis lassen sich Maßnahmen zur Energieeinsparung zielgerichtet entwickeln und umsetzen.
Digitalisierung und Transparenz statt Stillstand
Die Einführung internetfähiger Zwischenzähler hätte der Stadt die Möglichkeit gegeben, Verbrauchswerte in Echtzeit zu erfassen und mit einer Software zu analysieren. Das wäre ein echter Fortschritt in Richtung Digitalisierung gewesen. Zugleich hätte man Betriebsstörungen frühzeitig erkennen und Wartung effizienter gestalten können. Die Ablehnung dieser modernen und praxistauglichen Lösung zeigt, wie wenig Veränderungswille in Teilen der Verwaltung und Politik vorhanden ist.
Klimaschutz braucht endlich Taten
Klaus Groth, Sprecher der Grünen im Ausschuss, bringt es auf den Punkt: „Wir wollten die Grundlage schaffen, um die Einsparpotenziale endlich zu heben – doch es fehlt offenbar am Willen.“ Dass ein Teilkonzept zum Klimaschutz aus dem Jahr 2010 bis heute in wesentlichen Punkten nicht umgesetzt ist, spricht Bände über das Tempo, mit dem die Verwaltung und die sie tragenden Parteien das Thema behandeln.
Pulheim läuft also weiter im Energiesparblindflug, teuer, klimaschädlich und wenig zukunftstauglich. Die Grünen werden sich davon nicht entmutigen lassen. Denn nachhaltige Stadtentwicklung braucht mehr als Ankündigungen. Sie braucht den Mut zur Veränderung und ein genaues Auge auf die Verbräuche.